Obwohl der Mythos von der tellergroßen Wunde oft genutzt wird, um die Notwendigkeit von körperlicher Schonung im Wochenbett zu verdeutlichen, entspricht er physikalisch und anatomisch nicht der Realität.
Die Gebärmutter kontrahiert sofort: Direkt nach der Geburt deines Babies zieht sich die Gebärmutter (Uterus) kraftvoll zusammen. Für Hebammen ist diese Verkleinerung von außen als Uteruskantenzeichen tastbar.
Mechanische Ablösung: Da das Gewebe der Plazenta im Gegensatz zur Gebärmutter nicht dehn- oder kontrahierbar ist, führt die Verkleinerung der inneren Gebärmutterwand dazu, dass sich die Plazenta von der Haftfläche schält.
Reduzierte Wundfläche bei der Geburt: Bereits zum Zeitpunkt, an dem die Plazenta geboren wird, hat sich die eigentliche Haft- und Wundfläche bereits deutlich verkleinert. Sie hat somit zu keinem Zeitpunkt nach der Geburt mehr die volle Fläche der ausgewachsenen Plazenta!
Direkt nach der Plazentarperiode: Sobald die Plazenta vollständig geboren ist, zieht sich die Gebärmutter rasch weiter zusammen. Meist steht der Fundus (die obere Kante) nun etwa auf Höhe des Bauchnabels oder kurz darunter. Zu diesem Zeitpunkt wird der Durchmesser der Wundfläche auf etwa 12,5 cm geschätzt.
Im Verlauf des Wochenbetts: Mit jedem weiteren Tag schreitet die Rückbildung fort. Etwa 10 Tage nach der Geburt ist die Gebärmutter von außen nur noch knapp oberhalb des Schambeins (Symphyse) tastbar.
Stetige Wundverkleinerung: Parallel zur Involution (Rückbildung) schrumpft auch die innere Wundfläche rasant Schritt für Schritt weiter.
Schonung und Ruhe im Wochenbett sind extrem wichtig für die Wundheilung, den Beckenboden und den Beziehungsaufbau zu deinem Baby. Doch du musst keine Angst vor einer gigantischen „Teller-Wunde“ haben: Dein Körper arbeitet vom ersten Moment an hochpräzise daran, die Wundfläche rasch zu verkleinern und optimal zu heilen.
Mändle, C., Opitz-Kreuter, S., & Bosch, A. (2020). Das Hebammenbuch : Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe : mit 704 Abbildungen und 162 Tabellen (6. Auflage). Schattauer.